Softwareunternehmen sind nicht unbedingt dafür bekannt, besonders viele Kilometer zu machen. Das stimmt vermutlich auch bei uns. Aber wir haben ein ausgesprochen sportliches Umfeld.
Unser Chef geht mit gutem Beispiel voran – und so treten alljährlich mehrere Teams aus #team3d5 and friends beim LE Laufevent in Leoben an. Besonders beliebt ist der Staffelbewerb: drei Personen, 66 Minuten und die gemeinsame Aufgabe, möglichst viele Runden einer zwei Kilometer langen Strecke zurückzulegen. Mittlerweile ist das für uns zu einer lieb gewonnenen Tradition geworden. Im September ist es wieder soweit und damit auch der perfekte Zeitpunkt, um einmal Rückschau zu halten.
Staffelstab, Support und Elektrolyte
Denn nur wenige Dinge schweißen ein Team so zuverlässig zusammen wie der Moment, in dem man hochrot über die Ziellinie kommt und per Handschlag den fiktiven Staffelstab an die nächste Person weitergibt. Und auch jene, die gerade nicht laufen, haben eine wichtige Aufgabe. Am Streckenrand wird angefeuert, mitgefiebert und unterstützt. Wasserflaschen stehen bereit, Handtücher werden gereicht und die nächsten Läufer rechtzeitig in Position gebracht.
Spätestens beim gemeinsamen, wohlverdienten Elektrolytgetränk danach werden Rundenzeiten, persönliche Heldentaten und taktische Fehlentscheidungen noch einmal ausführlich analysiert. Und weil wir nun einmal Datenwissenschaftler sind, können wir natürlich von einer kleinen Datenauswertung nicht die Finger lassen.
Die Datenlage ist eindeutig. Vermutlich.
Unsere bisher dokumentierten Ergebnisse liefern 53 Laufzeiten aus den Jahren 2017 bis 2024. Die schnellste davon: 3:31 min/km. Der Median: 4:47 min/km. So weit, so seriös.

Die Datengrundlage.
Statistische Auswertung der Laufzeiten des #team3d5 and friends beim LE Laufevent aus den Jahren 2017-2024.
Man könnte nun Trainingszustand, Teamzusammensetzung, Wetter, Laufreihenfolge oder andere halbwegs vernünftige Einflussgrößen untersuchen. Man könnte. Oder man sucht lange genug in diesem kleinen Datensatz, bis sich wesentlich interessantere Erkenntnisse ergeben.
Der Stampf EffectTM
Betrachten wir beispielsweise die durchschnittlichen Kilometerzeiten dargestellt nach Teambezeichnung, ist die Datenlage bemerkenswert:
- Stampf: 4:24 min/km
- Plüschauer: 4:38 min/km
- Rüsslinger: 4:47 min/km
- Blue Shirts: 4:57 min/km
- Einzel: 5:25 min/km
Die wissenschaftlich einzig vertretbare Schlussfolgerung liegt auf der Hand: Wer schneller laufen möchte, sollte zunächst über einen neuen Teamnamen nachdenken. Erste Auswertungen weisen darauf hin, dass ein signifikanter Zusammenhang zwischen Wahl des Teamnamens und der niedrigsten durchschnittlichen Kilometerzeit vorliegt, der sogenannte Stampf Effect. Team Stampf setzt sich jährlich eindrucksvoll als schnellstes Team gegen die Konkurrenz durch.
Der Umlaut-Bonus
Bei genauerer Analyse zeigt sich sogar noch mehr. Laufzeiten unter den Teambezeichnungen Plüschauer und Rüsslinger waren in unserem Datensatz im Durchschnitt rund fünf Sekunden pro Kilometer schneller als jene mit Bezeichnungen ohne Umlaut. Zufall? Möglicherweise. Ein bislang unbekannter aerodynamischer Effekt von Umlauten? Wir wollen der Forschung nicht vorgreifen. Für das nächste Laufevent sollte eine Umbenennung in Stämpf, Blüe Shirts oder gleich #tëäm3d5 jedenfalls nicht vorschnell ausgeschlossen werden.
Korrelation ist noch keine Kausalität
So unterhaltsam solche Auswertungen sind: Genau hier liegt eine der klassischen Fallen im Umgang mit Daten. Ein statistischer Zusammenhang allein erklärt noch nicht, warum zwei Dinge gemeinsam auftreten. In unserem Fall ändern sich zwischen den Beobachtungen unter anderem Läufer, Teamzusammensetzungen, Bewerbsformen und vermutlich auch Trainingszustand und Rahmenbedingungen. Nur um eines am Ende absolut klarzustellen: Dass ein bestimmter Teamname gemeinsam mit schnelleren Zeiten vorkommt, bedeutet selbstverständlich nicht, dass der Name jemanden schneller macht. Selbst dann nicht, wenn das Diagramm ausgesprochen überzeugend aussieht. Oder kurz:
Daten brauchen Kontext
Das gilt bei Laufzeiten genauso wie bei Maschinendaten. Eine schöne Trendlinie kann auf einen interessanten Zusammenhang hinweisen. Um daraus belastbares Wissen zu machen, braucht es aber Kontext, Domänenwissen und die richtige Fragestellung. Und manchmal eben auch die Bereitschaft, eine besonders schöne Korrelation wieder loszulassen.
Fortsetzung folgt
Was wir dagegen mit deutlich größerer Sicherheit sagen können: Gemeinsam laufen, anfeuern, leiden und anschließend darüber lachen macht Spaß. Deshalb stehen auch heuer wieder #team3d5 and friends an der Startlinie. Am 19. September 2026 geht es wieder für 66 Minuten durch Leoben. Wir freuen uns darauf.
Wir sehen uns an der Strecke!


